Der Rhein
Auf seinem Weg von den Alpen bis zur Nordsee legt
der längste und wasserreichste Fluss Deutschlands, der gleichzeitig
auch die verkehrsreichste Wasserstraße in Europa ist, gut 100
Kilometer durch die Kölner Bucht zurück. Dabei zeigt
sich der Rhein von den verschiedensten Seiten: Freundlich und einladend
im Sommer auf den Wiesen, romantisch im Licht der Sonnenauf- und untergänge,
düster im Regen vor den Industrieanlagen, bedrohlich und zerstörerisch
bei Hochwasser.
An der Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen bei
der südlichen Stadtgrenze Bonns weitet sich das enge Mittelrheintal
hin zur Kölner Bucht, die bereits zur norddeutschen Tiefebene
zählt. Je nach Flusskilometer wird der Rhein auch nach dem jeweiligen
Abschnitt benannt: An der Quelle heißt er Alpenrhein, ab dem
Bodensee Hochrhein, Oberrhein und Mittelrhein. Ab Bonn wird der Rhein
bis zur niederländischen Grenze Niederrhein genannt.
Rheinromantik
Das Siebengebirge bietet vielleicht das letzte Stück wirklicher
Rheinromantik, bevor der Rhein das Mittelgebirge verlässt und
bei Bonn und Königswinter erst in die flachwellige und schließlich
in die völlig flache niederrheinische Tiefebene fließt.
Die Burgen auf hohen Felsen oder Weinberge des Mittelrheins sind hier
nicht mehr zu finden, die Kölner Bucht ist das Übergangsstück
mit einer Mischung aus Natur, Industrielandschaft und Binnenhäfen
hin zu den Hochöfen und Werften des Ruhrgebiets.
Hier muss der Rhein für den Menschen alles sein: Trinkwasserreservoir,
Ent- und Versorgungskanal, Transportweg und Quell für Heimatgefühle
und romantische Anwandlungen. Und so wird er auch mit seinen ach
so blauen Fluten von Künstlern der schreibenden, singenden
und malenden Zunft beschwören. Doch wie stellte Heinrich Böll
einst fest: Ich bin bereit, dem Rhein alles zu glauben, nur
seine sommerliche Heiterkeit habe ich ihm nie glauben können.
Mein Rhein ist dunkel und schwermütig.
Der Rhein
als Wasserstraße
Der Rhein war schon im Mittelalter ein äußerst wichtiger
Handels- und Güterweg und ist heute die meistbefahrenste Wasserstraße
Europas und der für den Schwergüterverkehr bevorzugte Transportweg.
Den notwendigen Anschluss in der Region bieten die acht Häfen
Neuss-Düsseldorf, Dormagen-Stürzelberg, Köln Niehl
I und Niehl II, Köln-Deutz, Köln-Mülheim, Godorf sowie
Bonn, die mit jeweils hochmodernen Umschlagstellen für Güter
aller Art ausgestattet sind.
Köln ist nicht nur der Standort des zweitgrößten Binnenhafens
in Deutschland, im Hafen Köln-Mülheim befindet sich auch
die einzige Werft für Binnenschiffer am Rhein zwischen Duisburg
und dem Bodensee. Für die gesamte Kölner Bucht sind durch
die Anbindung der Häfen an das umfassende Straßen- und
Schienennetz die großen Nordseehäfen in Belgien und den
Niederlanden über den Rhein sowie die deutschen Nordseehäfen
über das erweiterte Netz der Kanäle erreichbar.
Industriestandorte
Auch die Industrie siedelte und siedelt sich gern direkt am Fluss
an, um ihm einerseits Wasser zu entnehmen und andererseits zuzuführen.
Dies und die Belastung durch Haushalts- und Industrieabwässer
lassen seine Fluten graubraun werden, denn selbst die modernsten Kläranlagen
können nicht alles aus den Abwässern herausfiltern. Wenn
bei starken Regenfällen die Kanalisation die Mengen von Regen-
und Abwasser nicht mehr bewältigen kann, fließt die Brühe
noch heute wie im Mittelalter mit der nächsten Spülung direkt
und ungefiltert in den Rhein.
Und so fließen mit jedem Tropfen beträchtliche Mengen an
Schwermetallen und Chemikalien wie Pestiziden in Richtung Nordsee.
Als es 1986 bei Sandoz in Basel brannte, gelangten große Mengen
Chemikalien in den Rhein, die praktisch das gesamte Leben im Fluss
vernichteten. Es dauerte und dauert noch Jahre, bis der Rhein sich
wieder erholt. Immerhin wies der biologische Rheinbericht für
das Jahr 2002 wieder 63 Fischarten aus.
Die schönen
Seiten
Auch wenn am Niederrhein keine klassische Rheinromantik mit Bergen
und Schluchten oder Burgruinen auf schroffen Felsen gibt, zeigt sich
der Rhein auch in der Kölner Bucht an vielen Stellen von seinen
schönen Seiten. Oftmals geben weite Felder und Wiesen mit Deichen
und Auen dem Fluss einen natürlichen landschaftlichen Rahmen.
Vor allem im Sommer sind die stadtnahen Rheinwiesen bevorzugte Anlaufstellen,
auf denen bis tief in die Nacht gegrillt und gefeiert wird. In vielen
Städten gibt es schön angelegte Uferpromenaden mit Cafes
und Restaurants, die zu Spaziergängen und Radfahrten oder einfach
zum Verweilen einladen. Und selbst die eigentlich düsteren Industrieanlagen
haben hier und da durchaus ihre Reize.
Die vielen Landzungen und kleinen Buchten verlocken auch gern zum
Baden oder Schwimmen, allerdings darf dabei nie vergessen werden,
dass der Rhein ein gefährlicher Wasserverkehrsweg ist und kein
erholsames Badegewässer. Die starke Strömung und der Wellenschlag
der Schiffe werden oftmals unterschätzt. Auch sollte das Wasser
nicht geschluckt werden, da der Rhein nicht auf Keime und Bakterien
untersucht wird und Gefahr durch Infektionskeime droht.
Die weniger
schöne Seiten: Hochwasser
Ein ganz anderes Gesicht zeigt der Rhein bei Hochwasser. Mit der Stärke
von Niederschlägen und Schneeschmelze schwankt die Wasserführung,
so dass der Fluss regelmäßig über die Ufer tritt.
Durch die Begradigungen des Rheins und seiner Nebenflüssen wurden
in den letzten Jahren viele Ausgleichsflächen und Überschwemmungsgebiete
zerstört, beim Ausbau des Oberrheins etwa zwei Drittel. In der
Folge dieses Eingriff kann das Wasser nicht mehr zurückgehalten
werden - es fließt direkt ab, wodurch es flussabwärts zu
immer höheren Flutwellen und damit auch zu höheren Wasser-
und Pegelständen kommt.
Wie die Landschaft dann aussieht, zeigte der Rhein zuletzt 1993 und
1995, als er in Köln und Bonn gleich zweimal über die 10
Meter-Marke stieg und nicht nur dort weite Teile der Städte überflutete.
Ab einem Pegel von 7,60 Meter wird es bereits in den tiefer liegenden
Kölner und Bonner Stadtteilen brenzlich. Und ab einem Pegelstand
von 9 Metern helfen zum Beispiel in einigen Kölner Vororten auch
die Verteidigungslinien und Aqua Barriers nicht mehr, dann heißt
es für viele Stadtteile nur noch: Land unter. Für
die Stadt Köln bedeutete ein Pegel von über 10 Metern die
Überflutung der Altstadt, deshalb wurde nach dem letzten Jahrhunderthochwasser
1996 das Hochwasserschutzkonzept entwickelt, dass den Schutz der Altstadt
sowie der meisten der am Rhein gelegenen Stadtteile durch zusätzliche
Baumaßnahmen bis zu einem Pegelstand von 11,30 Metern bietet.
Rheinbrücken,
Fähren und ein Tunnel...
Im Schnitt bietet sich alle 3,5 Kilometer
eine Möglichkeiten, den Rhein zwischen Königswinter und
Mehlem im Süden sowie Neuss und Düsseldorf im Norden zu
überqueren.
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| Impressionen... |

Der Rhein ist die meistbefahrenste Wasserstraße
in Europa

Idylle am Rheinufer

Weite Überflutungen bei den Jahrhundert-Hochwassern |
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