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Die Hohe Domkirche in Köln

Die Adresse: Domkloster 4, 50667 Köln. Hier steht die Kollegiatskirche Sankt Peter und Maria, Pfarrkirche der Kölner Innenstadt vom Rang einer Kathedrale und das bereits weit vor den Stadttoren sichbare Wahrzeichen der Stadt: Die Hohe Domkirche in Köln. Der Kölner Dom ist Kathedrale, Gotteshaus, Touristenattraktion und ständiges Sorgenkind.

Der Kölner Dom gehört ohne jeden Zeifel zu den bedeutendsten Kathedralen der Welt. Gewaltig streckt sich der schwarz-graue Riese aus vulkanischem Trachyt über 157 Meter hoch in den Himmel. Im Innenraum gebieten 7.914 kühle und dunkle Quadratmeter Ehrfurcht. Vieles liest sich wie eine Ansammlung von Rekorden: die größte Kirchenfassade, das älteste Chorgestühl, das älteste Geläut des Abendlandes und die größte freischwingende Glocke, die älteste Monumentalfigur des gekreuzigten Christus.

Wenn sich die Augen nach dem Betreten der Kathedrale an die Lichtverhältnisse gewöhnt haben, können die zahlreichen Kunstwerke, die sich in über 760 Jahren aus 12 Jahrhunderten angesammelt haben, bewundert werden. Die Auflistung aller Kunstwerke füllt mehrbändige Bücher. Der Schrein der Heiligen Drei Könige, das Gerokreuz, der Klarenaltar, die Mailänder Madonna, der Hochaltar, die beiden Orgeln, der Altar der Stadtpatrone von Stefan Lochner oder die Schmuckmadonna sind nur die wichtigsten und bekanntesten.

Der Eigentümer des Kölner Doms

Der Dom gehört weder dem Kardinal, noch der Stadt oder dem Erzbistum, sondern sich selbst. Im Grundbuch des Amtsgerichts Köln ist als Eigentümerin die „Hohe Domkirche in Köln, vertreten durch das Metropolitankapitel” ins Grundbuch eingetragen. Der Dompropst vertritt das Metropolitankapitel - oder Domkapitel - nach außen. Es ist außerdem der Hausherr des Domes sowie der Dienstvorgesetzte aller beim Dom angestellten Mitarbeiter.

Die Geschichte des Dombaus

Im Jahr 1164 bringt Erzbischof Rainald von Dassel die Reliquien der Heiligen Drei Könige nach Köln, wodurch die Stadt zu einem großen Wallfahrtsort wird. Der Alte Dom wird dem Ansturm der Pilger und dem Anspruch der Kölner nicht mehr gerecht, und so wird der Bau eines neuen Doms beschlossen. Insgesamt zieht sich der Bau über 632 Jahre hin. Es wird aber nicht die ganze Zeit ununterbrochen gebaut, für 282 Jahre rührt sich an der Baustelle nicht eine Hand. Trotz der langen Bauzeit wird an den gotischen Bauplänen von Anfang bis Ende strikt festgehalten.

Am 15. August 1248 legt Erzbischof Konrad von Hochstadten den Grundstein für den Dombau. Der Bau beginnt mit dem Chor im Osten. Schon bald soll sich das Ausmaß des Vorhabens zeigen: 74 Jahre werden benötigt, bis der Domchor 1322 fertiggestellt ist und von Erzbischof Heinrich von Virneburg eingeweiht werden kann. Es beginnt der Bau des Mittelschiffs und der Seitenschiffe. Auch mit dem Südturm wird begonnen, damit das Langhaus befestigt werden kann. Weitere 66 Jahre dauert es, bis im Jahr 1388 in den südlichen Seitenschiffen die ersten Gottesdienste gefeiert werden können.

Der Dom im Jahr 15311448 werden die ersten beiden Geschosse des Südturms fertig und es beginnt der Bau der nördlichen Seitenschiffe. Aber die Euphorie ist längst verflogen. 200 Jahre dauern die Bautätigkeiten bereits an, und ein Ende ist nicht in Sicht. Erste Zweifel werden laut, ob der Dom überhaupt vollendet werden kann. Über 100 Jahre wird noch weiter gebaut, doch waren die Bedenken über eine mögliche Vollendung anfangs noch vereinzelt, werden diese Stimmen immer lauter. Im Jahr 1560 schließlich wird dem 312 Jahre dauernden und nicht enden wollenden Bauen ein Ende gesetzt. 30-Jähriger Krieg und Reformation lassen keine Gedanken für eine Fertigstellung, alle Bautätigkeiten werden eingestellt.

Das unvollendete Bauwerk mit seinem Kran auf dem 60 Meter hohen Fragment des Südturms wird zum Wahrzeichen des mittelalterlichen Kölns. Das Gotteshaus, das alle anderen deutschen Dome an Größe, Pracht und Bauart übertreffen sollte, ist eine Bauruine. Und weil nicht einmal mehr für die Erhaltung der fertiggestellten Teilstücke gesorgt wird, beginnt der Bau schließlich langsam zu zerfallen. Am 6. Oktober 1794 marschieren die Franzosen durch das Hahnentor in Köln ein. Am Dom hat sich 234 Jahre lang keine Hand gerührt, alle Wertgegenstände, auch der Dreikönigenschrein, sind längst in Sicherheit gebracht. Mit der Einführung der Hausnummern in Köln erhält der Dom die Nummer 2582 1/2. Die weiten Hallen werden von den Franzosen als Pferdeställe und Nachtlager für Gefangene genutzt. Viele Kunstwerke werden mutwillig zerstört und verschleppt. Der Dom ist mittlerweile so baufällig, dass er abgerissen werden soll. Da aber keiner weiß, wohin die vielen Steine gebracht werden sollen, wird dieser Plan aufgegeben. Und so wird er im Jahr 1803, obwohl baufällig, wieder eine Pfarrkirche, in der Gottesdienste stattfinden.

Der Dom 1853Als die Franzosen 1814 Köln wieder räumen, ist es Sulpiz Boisseré, der für die Fortsetzung des Baus sorgt. Er sieht in der Vollendung des Domes seine Lebensaufgabe und wendet sich nach Berlin um Hilfe. Preußische Romantiker sammeln für den Weiterbau und sogar König Friedrich Wilhelm IV. wird zum Freund und Förderer des Doms. Im Jahr 1823 wird aus der Bauruine wieder eine Baustelle. Allerdings kann nicht direkt mit dem Weiterbau angefangen werden, da der Dom erst wieder in Stand gesetzt werden muss. Alleine diese Arbeiten sollen 19 Jahre dauern.

Erst 1842 kann die eigentliche Fertiggestellung des Doms in Angriff genommen werden. Im gleichen Jahr gründen Kölner Bürger den Zentral-Dombau-Verein, der einen Teil der für den Bau benötigten Gelder sammelt. König Friedrich Wilhelm IV. persönlich legt am 4. September den Grundstein für den Weiterbau am Dom. Am 15. August 1848 findet die 600-Jahr-Feier der Grundsteinlegung statt. In Anwesenheit von König Friedrich Wilhelm IV. werden die Westteile des Domes feierlich eingeweiht. Alle Seitenschiffgewölbe sind geschlossen, dass Mittelschiff ist durch eine provisorische Decke über dem Triforium abgedeckt. Der Bau dieser Decke verbraucht alle vorhandenen Geldmittel, so dass Dombaumeister Zwirner die Stillegung des Baus für den 1. November vorbereitet. Schließlich bewilligt der König einen außerordentlichen Zuschuß zum Dombau von 12.000 Talern aus Staatsmitteln.

Der Dom 1853Im Mai 1852 ist der Kölner Dom Schauplatz des Foucaultschen Pendelversuches, der im Chor mit Genehmigung von Kapitel und Erzbischof in Anwesenheit des Kronprinzens Wilhelm von Preußen stattfindet. Der eindrucksvolle Versuch, der acht Monate zuvor erstmals durch Leon Foucault im Pantheon in Paris durchgeführt worden war, weist die Erddrehung nach. König Friedrich Wilhelm IV. fügt im Rahmen des Dombaufestes am 25. Juni 1852 den Schlußstein in den vordersten Bogen des Hauptportales der Westfassade ein. Am 2. Mai 1854 stirbt Sulpiz Boisseré, Geheimer Hofrat, erster und wirkungsvollster Förderer des Dombaus, in Bonn.

Im April 1860 beginnt der Aufbau des eisernen Dachstuhles. Am 15. Oktober, dem Geburtstag des schwerkranken Königs Friedrich Wilhelm IV., setzt Dombaumeister Zwirner den goldenen Morgenstern auf die Spitze des 109 Meter hohen Dachreiters. König Friedrich Wilhelm IV., erster Protektor des Zentral-Dombauvereins, stirbt am 2. Januar 1861. Am 15. Juli 1863 wird die zwischen Chor und Langhaus eingesetzte Trennmauer, die nach Fertigstellung des Chors um 1300 errichtet wurde, 563 Jahre nach ihrer Errichtung abgebrochen. Die ganze Größe des Innenraums ist schließlich am 22. September 1863 erstmals erkennbar. Auf der 278. Sitzung des Zentral-Dombauverein-Vorstandes am 14. Juni 1864 gibt der Präsident die Genehmigung der Dombau-Lotterie bekannt, die erste Ziehung findet gut ein Jahr später am 4. September 1865 statt. Der Hauptgewinn in Höhe von 100.000 Talern fällt auf das Los mit der Nummer 328 158.

Das Wahrzeichen für das mittelalterliche Köln, der Kran auf dem Südturm, wird am 29. Februar 1868 abgebaut. Beim Dombau sind jetzt fast fünfhundert Arbeiter beschäftigt. Aber die Vollendung kommt erneut ins Stocken. Diesmal werden wegen des deutsch-französischen Krieges zahlreiche Arbeiter und alle Beamten einberufen. Außerdem werden 9.000 Steine konfisziert und die Eisenbahntransporte eingestellt. Innerhalb eines Jahres können die Türme nur um drei Meter erhöht werden.

Bisher war jeder Griff am Dom reine Handarbeit, erst das Jahr 1869 bringt den Arbeitern Entlastung: Seit dem 2. Oktober wird eine Dampfmaschine für das Heraufziehen der schweren Steine eingesetzt. Der Nord- und das Fragement des Südturms werden mit Obernkirchener Sandsteinen aus der Mindener Gegend gebaut. Am 21. März 1872 bewilligt Kaiser Wilhelm I. zum Guß einer großen Glocke für den Dom fünfhundert Zentner Geschützbronze von 22 französischen Kanonen, die während des Krieges erbeutet worden waren. Die Kanonen werden am 11. Mai 1872 vor dem Dom aufgestellt. Der Glockengießer Andreas Hamm in Frankenthal erhält den Auftrag, die Großglocke für den Kölner Dom zu gießen, die den Ton c° genau treffen soll. Der erste Guß im August 1873 misslingt. Der Ton der über 27.000 Kilogramm schweren Glocke mißfällt derart, dass ein zweiter Guß erforderlich wird. Im November 1873 wird die zweite Glocke gegossen, auch sie verfehlt den Schlagton um einen Halbton und ein dritter Guß wird beschlossen. Aber auch der dritte Versuch im Februar 1876 erreicht nicht die Reinheit des Tones. Trotzdem wird die 27 Tonnen schwere und 3,25 Meter hohe Großglocke Gloriosa, die im Volksmund „Kaiserglocke” genannt wird, am 7. August 1878 in den Südturm hinaufgezogen. Ein einwandfreier Anschlag soll mit ihr aber nie gelingen.

Der letzte Balken zu den Gerüsten der Türme wird am 19. Juni 1880 hochgezogen. Es sind die höchsten bis dahin ausgeführten Holzgerüste überhaupt. Die beiden Domtürme wachsen langsam aber stetig gen Himmel, und nur einen Monat später, am 23. Juli 1880, wird der Nordturm um 18 Uhr mit dem Aufsetzen der 8,65 m hohen Kreuzblume in über 148 Metern Höhe vollendet. Zu diesem Zeitpunkt ist der Dom mit einer Höhe von 157,38 Metern das höchste Bauwerke der Welt. Seit dem 9. August 1880 kann der Dom auch endlich durch das Hauptportal betreten werden und der Südturm ist ebenfalls bis auf den Schlußstein der Kreuzblume fertiggestellt. Dieser letzte Stein führt schließlich noch zu einem Eklat. Denn der Schlußstein wird am 14. August um 9.53 Uhr „nur vorläufig an Ort und Stelle gebracht”, aber noch nicht vergossen. Im Knopf der Kreuzblume soll nämlich im Rahmen der offiziellen Vollendungsfeier eine Urkunde eingefügt werden.

Der Kaiser aber lässt den 15. August als möglichen Fertigstellungstermin verstreichen. Statt dessen lässt er durch Kabinettsorder vom 25. August 1880 das Fest der Domvollendung auf den 15. Oktober, den Geburtstag seines Bruders Friedrich Wilhelm IV., legen. Am 4. September findet eine Konferenz zwischen Vertretern des Zentral-Dombauvereins, der Stadt und der Regierung statt, um das Dombaufest zu planen. Ein Festprogramm wird ausgearbeitet und dem Kaiser zur Genehmigung eingereicht. Das Domkapitel wird nicht einbezogen und erfährt dies 10 Tage später aus der Zeitung. Es richtet einen Brief an den Oberpräsidenten mit der Bitte, das Programm so zu ändern, dass der Dankgottesdienst nach der weltlichen Feier stattfindet. Doch die Wünsche des Metropolitankapitels werden abschlägig beschieden, so dass das Kapitel erklärt, an keiner Festigkeit außerhalb des Domes teilzunehmen. Da auch der Einblick in die Urkunde zur Domvollendung dem Kapitel verwehrt wird, beschließt es außerdem, diese Urkunde nicht zu unterzeichnen.

Am 15. Oktober wird die Vollendung des Domes in Anwesenheit Kaisers Wilhelm I., fast aller Deutschen Fürsten und der Oberhäupter der freien Reichsstädte und in Abwesenheit des Kölner Erzbischofs Melchers gefeiert. Der lebt nach Schwierigkeiten mit dem Preußischen Staat in den Niederlanden und hat seit seiner Flucht sein Erzbistum nicht mehr betreten. Auch das brüskierte Metropolitankapitel nimmt an den äußeren Feierlichkeiten nicht teil. Das Fest ist ganz auf die Person des Kaisers ausgerichtet. 6,6 Millionen Taler (dies entspricht etwa 920 Millionen Euro) hat die Vollendung des Baus nur in den Jahren 1842 bis 1880 gekostet. Zwei Drittel steuert der Zentral-Dombau-Verein, ein Drittel der preußische Staat bei.

In der Zeit von 1880 bis 1905 ist es ruhig um den Dom. Arbeiten scheinen nicht notwendig, stolz überragt er die Dächer der Stadt und die Dombauhütte hat nur noch neun Mitarbeiter. Dombaumeister Voigtel sagt sogar, dass in den nächsten 100 Jahren keine wesentlichen Restaurationen am Dom nötig seien. Sein Nachfolger, Dombaumeister Hertel, sieht dies allerdings völlig anders und legt am 16. Oktober 1903 in einem 28 Seiten starken Gutachten den durch Witterung gefährdeten Zustand des Domchores dar. Das Gutachten findet aber keine Beachtung.

Das ändert sich schlagartig am 20. Mai 1906, als nach der Nachmittagsandacht ein größerer Steinbrocken auf gerade den Dom verlassende Seminaristen fällt. Obwohl niemand verletzt wird, alarmiert dies nicht nur die Verantwortlichen der Stadt, sondern auch die Öffentlichkeit. Im Juni 1908 bricht die Klöppelhalterung der „Kaiserglocke” und der Klöppel stürzt in den Glockenstuhl. Als Ersatzklöppel wird eine schwere Stahlkugel verwendet, die an Seilen in der Glocke aufgehängt ist. Die eilig begonnen Restaurierungsarbeiten am Dom müssen 1914 eingestellt werden, weil alle Arbeiter im Ersten Weltkrieg einberufen werden. Als 1918 die ersten Bomben auf Köln fallen, beschließt das Metropolitankapitel, die mittelalterlichen Fenster auszubauen, um sie vor Fliegerangriffen zu schützen. Im Juni des gleichen Jahres wird die Kaiserglocke in dreimonatiger Arbeit im Turm zerlegt und zur Gewinnung von kriegswichtigem Material abtransportiert.

Als Ersatz erhält der Dom fünf Jahre nach Kriegsende eine neue Großglocke. Am 5. Mai 1923 gießt im thüringischen Apolda der Glockengießermeister Heinrich Ulrich die 24 Tonnen schwere Petersglocke - die „Deutsche Glocke am Rhein” mit der Inschrift „Sankt Peter bin ich genannt - schütze das deutsche Land - geboren aus deutschem Leid - ruf' ich zur Einigkeit!”, die im November 1924 den Dom erreicht. 24 Männer benötigen acht Stunden, um die Glocke in die Glockenkammer im Südturm auf 55 Meter Höhe zu hieven. Zum geplanten ersten großen Geläut zu Heiligabend aber versagt die Technik und die Petersglocke bleibt stumm. Und do erklingt das erste feierliche Geläut aller Domglocken schließlich erst am 28. Oktober 1925. Für 75 Jahre wird der „dicke Pitter”, wie ihn die Kölner liebvoll nennen, die größte freischwingende Glocke der Welt sein.

Am 1. September 1939 bricht der 2.Weltkrieg aus. Als der Krieg vorbei ist, überragt ein scheinbar unversehrter Dom eine völlig zerstörte Stadt. Aber 1,5 Millionen auf die Stadt abgeworfene Minen, Granaten, Spreng- und Brandbomben konnten nicht alle am Dom vorbeifliegen. Vierzehn Bomben und etliche Brandbomben treffen ihn voll. Die Schäden sind enorm. Dreizehn Gewölbe und fast das gesamte Dach stürzen ein, aber der eiserne Dachstuhl hält. 8.000 Quadratmeter der wertvollen Fensterflächen sind für immer verloren, lediglich 2.000 Quadratmeter können gerettet werden. Postierte Helfer im und auf dem Dom löschen sofort die durch Brandbomben verursachten Feuer.

Die Dombauhütte auf der Südseite des Domes wird von einer Bombe getroffen und brennt vollständig ab. Eine Fliegerbombe reißt im November 1943 in zwanzig Metern Höhe ein großes Loch in den Pfeiler des Nordturms. Innerhalb von vier Wochen wird es 27.500 Ziegelsteinen verfüllt. Erst im Jahr 2005 wird die Plombe durch Obernkirchener Sandsteine ersetzt. Der Innenraum ist nur noch eine riesige Trümmerwüste. Es dauert bis zum August 1956, bis die Schäden soweit behoben sind, dass der Innenraum für Besucher wieder freigegeben werden kann. Aber noch heute laufen die Reparaturen zur Beseitigung der Kriegsschäden.

Die Steine des Doms

Zu Beginn des Dombaus wird Trachyt aus dem Siebengebirge, vor allem vom Drachenfels verbaut. Dort stürzt 1788 als Folge des umfangreichen Abbaus ein Teil der Burgruine ein, weshalb der Steinbruch geschlossen wird. Anfangs können die benötigten Steine noch von den Nebenbergen abgebaut werden, bis 1823 das gesamte Siebengebirge zum Naturschutzgebiet erklärt wird. Deshalb werden für den Bau der oberen Teile von Lang- und Querhaus und der Querhausfassaden jetzt Sandsteine aus Schlaitdorf verwendet. Für die Dombildhauer sind Trachyte und Sandsteine ungeeignet, sie verarbeiten sehr weiche Kalksteine aus den Savonnières in der Champagne. Heute werden verweste Steine durch Basalt aus Londorf und für die nicht im direkten Sichtbereich des Doms liegen Bauteile durch Basaltlava aus der Eifel ersetzt.

Der Erhalt des Doms

Mit den Jahren zeigen sich neue Probleme für die Kathedrale. Große Gefahr droht dem Dom durch die starke Umweltverschmutzung mit Abgasen und saurem Regen. Schadstoffe hinterlassen an Mauern, Statuen, Fialen und Fenstern nicht nur ihre Spuren, sondern sorgen auch durch eine schnellere Verwitterung für Schäden, die schnellstens beseitigt werden müssen. Insbesondere die Kalk- und Sandsteine, aus denen große Teile des Doms gebaut sind, sind betroffen.

Die Dombauhütte zählt mittlerweile wieder fast 100 Mitarbeiter, die täglich damit beschäftigt sind, der weiteren Zerstörung und dem altersbedingten Zerfall Einhalt zu gebieten. Weit sichtbar ist dieser ewige Kampf der Steinmetze gegen die Schäden durch die riesigen Gerüste, die in regelmäßigen Abständen immer wieder an den Türmen und auf den Dächern montiert werden müssen. Nicht nur die Steine des Doms sind betroffen, auch die kostbaren Glasgemälde in den Fenstern sind massiv von Zerstörung bedroht.

Die Gelder für die Erhaltung des Doms liegen zwischen sechs und acht Millionen Euro jährlich und werden von staatlichen und kirchlichen Stellen sowie zum größten Teil durch Spenden und den Zentral-Dombau-Verein zu Köln (ZDV) aufgebracht.

Der Kölner Dom braucht viele Freunde … damit uns der Dom erhalten bleibt!
Der Zentral-Dombau-Verein zu Köln wurde 1842 gegründet und steuerte maßgeblich die Gelder zur Vollendung des Dombaus bei. Bis heute übernimmt er jedes Jahr zwischen 50 und 60 Prozent des Etats zum Erhalt des Doms. [ www.zdv.de ]

Die Posse um das Weltkulturerbe

1996 erklärt die Unesco, dass der Kölner Dom von „herausragender universeller Bedeutung” sei, eine Ikone des deutschen Weltkulturerbes. Im Sommer 2004 entbrandet ein Streit um diesen Status des Weltkulturerbes. Die Posse beginnt damit, dass das Welterbe-Komitee der Unseco den Dom auf die „Rote Liste” setzt, weil in Deutz geplante Hochhäuser ihrer Meinung nach das Erscheinungsbild der Kathedrale beeinträchtigen. Der Rat der Stadt gibt dem Druck der Unseco nach und schafft eine „Pufferzone”. Diese Pufferzone sieht die Unseco als „Schritt in die richtige Richtung”, fordert aber Details, welche Areale genau einbezogen werden. Erst als die Lufthansa erklärt, nicht in den geplanten Deutzer Jahn-Turm einzuziehen, sondern in einen Neubau an der Messe, zieht der Investor des Jahn-Turms seine Pläne zurück. Jetzt kippt der Kölner Stadtrat alle umstrittenen Hochhauspläne, der Dom wird von der Roten Listen gestrichen und zählt ohne Einschränkung wieder zum Weltkulturerbe.

Das nicht unumstrittene „Richter-Fenster”

Eigentlich lassen die Kölner nichts auf „ihren Dom” kommen. Doch der Einzug der modernen Kunst in die Kathedrale hat auch die Kölner gespalten. Auslöser für den Zwist ist das von Gerhard Richter entworfene Großfenster, das seit August 2007 an der Fassade im Südquerhaus eingebaut ist. Das Problem: Auf 113 Quadratmetern stellen 11.263 jeweils 9,6 Quadratzentimeter große Farbquadrate Alles und Nichts dar. Die Anordnung wurde von einem Computer festgelegt, Richter griff nur hier und da ein.

Die Meinungen der Betrachter gehen weit auseinander. Für die einen ist es ein Meisterwerk, für die anderen ein fehlplatziertes Kneipenfenster. Gerhard Richter selbst sagt, dass er wollte, dass das Fenster etwas Selbstverständliches hat, etwas Alltägliches. Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner sieht in dem Fenster „ein betörenden Licht, das alles enthält, was über Spiritualität, Licht und Farbe je gesagt wurde”. Und für den Kölner Kardinal Meisner passt das Fenster eher in eine Moschee oder ein anderes Gebetshaus.

Anmerkung der Redaktion: Die Kölner werden sich - wie immer - mit den Gegebenheiten arrangieren und das Fenster in ihren Alltag aufnehmen, und es zur Not mit ein paar Kosenamen belegen. Denn ob Hochhäuser auf der anderen Rheinseite oder verschandelter Roncalliplatz, der Dom selbst ist über solche Diskussionen stets erhaben. Auch über etwas Alltägliches von Gerhard Richter...
 
Öffnungszeiten
Kathedrale: Jeden Tag von 6 bis 19:30 Uhr, von Mai bis Oktober bis 21 Uhr. Bei Gottesdiensten ist eine Besichtigung nur bedingt möglich.

Turmbesteigung: November bis Februar 9 bis 16 Uhr, März und April 9 bis 17 Uhr (Karfreitag geschlossen), Mai bis September 9 bis 18 Uhr, Oktober 9 bis 17 Uhr

Domschatzkammer: Täglich von 10 bis 18 Uhr, Karfreitag geschlossen.

Impressionen

Die Westfassade


Das Mittelschiff


Das Richter-Fenster in der Südfassade

Der Dom in Zahlen...
Grundsteinlegung 15. August 1248

Baustillstand 1560 bis 1823

Instandsetzung der Schäden 1823 bis 1842

Weiterbau und Vollendung 1842 bis 15. Oktober 1880

Erster Einsatz einer Maschine 2. Oktober 1869

Baukosten für die Jahre 1842-80 umgerechnet 920 Millionen €

Erster festgestellter Verwitterungsschaden 20. Mai 1906

Schwerste Zerstörungen 1942 bis 1945

Beseitigung der gröbsten Kriegsschäden 1945 bis 1956

Höhe Nordturm 157,38 Meter · Südturm 157,31 Meter · Aussichtsplattform 97,25 Meter · Glockenstuhl 55,00 Meter · Dachreiter 109,50 Meter · Dachfirst 61,10 Meter

Länge 144,58 Meter

Breite Gesamt 86,28 Meter · Westfassade 61,54 Meter
Querhausfassaden 39,95 Meter

Innenraum Gesamtlänge 136,50 Meter · Länge Querhaus 75,20 Meter · Länge Mittelschiff 45,19 Meter · Höhe Mittelschiff 43,35 Meter · Höhe Seitenschiffe 19,80 Meter · Nutzfläche 7.914 qm · Fensterfläche 10.000 qm

Dach und Gewölbe 64 Pfeiler tragen 92 Gewölbe · Dachfläche 12.500 qm · Dachdeckung Bleiplatten · Gewicht 600 Tonnen · Neigung 67,5° · Dachabschluss 1,35 Meter hoher Maßwerkkamm mit 187 vergoldeten Lilienspitzen

Stufen zur Aussichtsplattform 533

Das Domgeläute: Die Glocken...
Obwohl es nur aus drei Glocken besteht, gilt das spätgotische Kölner Domgeläute mit zu den berühmtesten in Europa. Auch mit seinen Erweiterungen gehört es zu den schönsten der Welt. Eine Einmaligkeit besitzt das Domgeläute in der Petersglocke. Und auch das älteste erhaltene Geläut des Abendlandes hängt im Dom, wenn auch nicht in der Glockenstube des Südturmes.

Die Glocken im Glockenstuhl des Südturms

St. Peters-Glocke · Gegossen 1923 von Richard Heinrich Ulrich, Apolda · Gewicht 24000 kg · Durchmesser 3210 mm · Die Großglocke, von den Kölner liebevoll „Dicker Pitter” genannt, ist die größte freischwingend läutbare Glocke der Welt. · 1951 springt die Glocke am Schlagring auf einer Länge von 110 cm. 1956 wird der Riss durch autogenes Schweißen von der Firma Lachenmeyer repariert.

Pretiosa-Glocke · Gegossen: 1448 von Heinrich Brodermann und Christian Cloit, Cöln · Gewicht 10500 kg · Durchmesser 2400 mm · Die Kölner Pretiosa-Glocke aus dem Jahr 1448 gehört mit der Erfurter „Gloriosa” und der „Emmanuel Louise Thérèse” in Notre Dame zu den wertvollsten Meistergüssen der Glockengießer.

Speciosa Marien-Glocke · Gegossen 1449 von Johannes Hoerken de Vechel, Cöln · Gewicht 5600 kg · Durchmesser 2030 mm

Dreikönigen-Glocke · Gegossen 1880 von Carl Louis Hermann Große, Dresden · Gewicht 3800 kg · Durchmesser 1740 mm · Die erste Glocke wird 1418 gegossen, muss aber wegen mehrerer Sprünge in den Jahren 1693, 1862 und 1880 neu gegossen werden. Die heutige Glocke wird eigens zur Fertigstellung des Domes gegossen (Inschrift: „Den erhabenen Königen bin ich geweiht und nach Vollendung der Türme erneuert”). Als die Dreikönigen-Glocke 1862 erneut ausfällt, wird - auch zur Vollendung des Langhauses - die Ursulaglocke in Auftrag gegeben.

Ursula-Glocke · Gegossen 1862 von Joseph Beduwe, Aachen · Gewicht: 2550 kg · Durchmesser: 1600 mm

Josef-Glocke · Gegossen 1998 von Hans A. u. Cornelia Mark, Brockscheid · Gewicht 2110 kg · Durchmesser 1468 mm · Die Josef-Glocke, 1990 zu Ehren des heiligen Josephs und zur Erinnerung an die Kölner Erzbischöfe Joseph Kardinal Frings und Joseph Kardinal Höffner gegossen, ist die jüngste Glocke im Dom. Aufgrund eines Materialfehlers muss sie 1998 umgegossen werden.

Kapitel-Glocke (Karlsglocke) · Gegossen 1911 von Karl Otto, Hemelingen · Gewicht 1400 kg · Durchmesser 1287 mm

Ave-Glocke · Gegossen 1911 von Karl Otto, Hemelingen · Gewicht 780 kg · Durchmesser 1080 mm

Ein Video des Dom-Vollgeläuts bei YouTube

Die Glocken im Vierungsturm - das älteste erhaltene Geläut des Abendlandes

Alte Ave-Glocke · Gegossen 14. Jahrhundert von Antonius Cobelenz, Cöln · Gewicht ca. 762 kg · Durchmesser 1047 mm

Mettglocke · Gegossen 1719 · Gewicht ca. 280 kg · Durchmesser 788 mm

Wandlungsglocke (früher Uhrglocke) · Gegossen 14. Jahrhundert · Gewicht ca. 428 kg · Durchmesser 806 mm

Inaktive und ehemalige Glocken

Alte Kapitelsglocke (Brandglocke) · Gegossen 1621 · Gewicht 70 kg · Durchmesser 483 mm · Die Alte Kapitelsglocke hängt am Hochdach des Südquerhauses, wird aber nicht mehr geläutet.

Gloriosa-Glocke (Kaiserglocke)
· Gewicht 27000 kg
· Durchmesser 3420 mm · Nicht nur, dass für den Guß der Großglocke drei Anläufe benötigt werden, der Dom soll mit der damals größten Glocke der Welt kein Glück haben. Sie verfehlt ihren Schlagton um eine Halbton und wird nur selten geläutet, was ihr bei den Kölnern den Beinamen „die Stumme” einbringt. 1918 wird sie zerlegt um kriegswichtiges Material” zu gewinnen.

Was ist wo? Sehenswertes...
Die Karte der Sehenswürdigkeiten in der Kölner Bucht  
 
· Dicker Pitter
· Dombau
· Domgeläut
· Domkloster 4
· Domprobst
· Großgeläut
· Kaiserglocke
· Kölner Dom
· Petersglocke
· Pretiosa
· Richter Fenster
· World Peace Bell
       
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