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Die Eifelwasserleitung

Bei ihrer Gründung im Jahr 50 lebten wahrscheinlich bereits etwa 15.000 Menschen in Köln. Ihr Wasser entnahmen die Kölner bis dahin vor allem dem Duffesbach, das den Römern aber in Qualität und Menge bald nicht mehr genügte. So beschlossen sie, ihr Wasser auf der Eifel nach Köln fließen zu lassen.

Begonnen wurde der Bau, der als technische Meisterleistung gilt, vermutlich im Jahr 80. Mit den einzelnen Zuleitungen hatte die Wasserleitung eine Gesamtlänge von fast 130 Kilometern und war eines der längsten Aquädukte des römischen Reiches. Das Wasser floss allein durch das Gefälle der Leitung aus der Eifel bis nach Köln. Die Weitsicht und das technische Know-how der Römer zeigt sich unter anderem daran, dass die aus Beton und im Halbbogen gemauerten Steinen gebaute Wasserleitung nicht oberirdisch, sondern zum Schutz vor Frost zum größten Teil etwa einen Meter unterhalb der Erdoberfläche verlegt wurde. Gegen eindringendes Schmutzwasser war die Leitung durch Außenputz geschützt, Drainagen verhinderten das Eindringen von Grundwasser.

Eines der längsten Aquädukte des römischen Reiches

Von den Hochbauten der Eifelwasserleitung ist heute so gut wie nichts mehr erhalten. Bekannt ist aber, dass der Swistbach in der Nähe von Rheinbach mit einem Aquädukt überbrückt wurde, das aus 195 Bögen bestand und etwa 1.400 Meter lang und 3,60 Meter breit gewesen sein muss. Ein weiteres Aquädukt wurde bei Mechernich gebaut, das heute in einer Teilrekonstruktion besichtigt werden kann. Das Wasser wurde aus einer Quelle „Am Grünen Pütz” in der Gegend von Nettersheim im Flusstal der Urft in die der Eifelleitung eingespeist. Die Wasserleitung folgte dem Talhang der Urft nach Kall und überwand dort die Wasserscheide zwischen Maas und Rhein. Von dort aus verlief die Leitung parallel zum Nordhang der Eifel nach Euskirchen, wo sie in gemauerten Gewölbebrücken die Erft und den Swistbach überquerte. Nordwestlich von Bonn führte die Leitung schließlich im Kottenforst weiter über Brühl und Hürth nach Köln.

Versorgung einer Großstadt

Alle auf dem Weg liegenden Quellwasser, die den hohen römischen Ansprüchen an die Wasserqualität entsprachen, wurden ebenfalls in die Leitung eingespeist. Durch die siebzig Zentimeter Breite und einen Meter Hohe Wasserleitung flossen jeden Tag bis zu 20.000 Kubikmetern frisches Wasser nach Köln. Für die Versorgung der Einwohner Kölns mit Frischwasser wurden in Abständen von etwa 100 Metern überall in der Stadt sogenannte öffentliche Laufbrunnen errichtet, in die das Wasser der Eifelleitung eingespeist wurde. Aber auch öffentliche Thermen und private Hausanschlüsse wurden mit dem Wasser versorgt. Und auch an die Abwässer dachten die Römer bereits. Unter der Stadt wurde ein Kanalnetz angelegt, durch das die Abwässer in den Rhein geschwemmt wurden. Ein Teil der Abwasserleitung kann in der Kölner Budengasse heute noch besichtigt und begangen werden.

Gut 180 Jahre floss das Wasser durch die Eifelwasserleitung nach Köln, bis sie im Jahr 260 bei einem Überfall der Germanen auf die Stadt zerstört wurde. Warum die Römer sie danach nicht wieder aufbauten, ist nicht bekannt. Die Stadt jedenfalls wurde nach der Zerstörung der Eifelwasserleitung über eine ältere Leitung aus dem Vorgebirge mit Wasser versorgt. 500 Jahre später entdecken die Einwohner der umliegenden Städte das in der Erde liegende gut erhaltene Bauwerk und schlachteten es aus. Fast die gesamte unterirdische Anlage wurde ausgegraben und die Steine in anderen Bauwerken restlos verbaut, beispielsweise in der Stadtmauer von Rheinbach.

Der Eifelmarmor

In der Wasserleitung bildeten sich Kalkablagerungen, der sogenannte Sinter, in bis zu 20 Zentimeter dicken Schichten. Sinter besitzt die Konsistenz von braun gefärbtem Marmor und kann problemlos poliert werden. Bei der Ausschlachtung der Wasserleitung war der kuriose Kunststein schnell heiß begehrt. Aus Sinter wurden nicht nur im gesamten Rheinland Säulen, Fensterleibungen oder sogar Altarplatten gefertigt, auch in den Domen von Paderborn und Hildesheim wurde der „Eifelmarmor” verbaut. Selbst in Dänemark finden sich im Dom von Roskilde Grabplatten aus Sinter.
 
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