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Das Land der Burgen und Schlösser

Wer durch die wunderschönen Landschaften in der Kölner Bucht und im näheren Umland spaziert oder fährt, trifft im Schnitt alle drei Kilometer auf einen ehemaligen Adelssitz. Wer alle besuchen möchte, sollte etwas Zeit mitbringen, denn es warten 325 Burgen und Schlösser.

Bedingt durch die großflächigen fruchtbaren und ertragreichen Böden sowie die für den Adel politisch günstigen Epochen der deutschen Geschichte entwickelte sich die Region zu einer der burgen- und schlösserreichsten der Welt. Die Ursprunge dieses Phänomens reichen zurück in die Zeiten des fränkischen Königreichs, das jähe Ende kam mit dem Einmarsch der französischen Truppen 1794.

Im 9. Jahrhundert begann mit der Zeit des fränkischen Königreichs die Machtübertragung an die Aachener Pfalzgrafen und Gaugrafen. Da deren unbefestigten Sitze wie die umliegenden Dörfer und Höfe den Übergriffen normannischer Raubzüge schutzlos ausgeliefert waren, wurde mit dem Aufschütten von Erdhügeln sowie dem Anlegen von Palisaden und Wassergräben begonnen.

Das frühe Mittelalter

Der spätere Ausbau zur autarken zweiteiligen rheinischen Wasserburg ist die Vorlage der meisten Burgen und Schlösser. Die Macht der Edelherren steigerte sich im folgenden 10. Jahrhundert, sichtbar durch die sogenannten Höhenburgen, die auf Bergen und Höhenzügen errichtet als uneinnehmbar galten. Zwei Jahrhunderte später bildete sich aus Hochadel und Landesfürsten eine neue Adelsklasse: die Niederadeligen und Ministerialen. Diese Adeligen bauten im 13. und 14. Jahrhundert den größten Teil der Burgen in der Region, während sich zur geichen Zeit der Hochadel in zahlreichen Gebietskämpfen selbst dezimierte.

Der Bau der Burgen der Ministerialen ist zwar an die großen Herrenburgen angelehnt, fällt standesgemäß aber deutlich kleiner aus. Sie werden hauptsächlich als Steinburgen mit weitläufigen Grabensystemen, Mauern, Toren und Türmen errichtet. Mit der Anzahl der Burgen wächst auch die Machtstellung des Ministerialadels. Noch dienen die Burgen und Schlösser vor allem dem Machterhalt und werden schwer befestigt, auch wenn ab dem 16. Jahrhundert mehr Wert auf Komfort, Junst und Kultur gelegt wird.

Das 17. und 18. Jahrhundert

Erst im 17. und 18. Jahrhundert beginnt der Wandel hin zum Landsitz. Auch wenn die Schutzfunktionen nie außer Acht gelassen werden, führt das Ende der Gebietskämpfe und Kriege zur Modernisierung der Burgen und Schlösser. Vor allem der französische Stil mit seiner Eleganz und Ästhetik ist jetzt prägend. Im Mittelpunkt steht jetzt nicht mehr die Wehrhaftigkeit, sondern die Bequemlichkeit, der Wohnkomfort und eine zweckmäßige Raumaufteilung. Das abrupte Ende der Vormachtstellung des Adels kam im Jahr 1794 mit dem Einmarsch der französischen Truppen ins Rheinland. Allen Adelsständen wurden sämtliche Privilegen entzogen und die Burgen und Schlösser verloren an Bedeutung. Zwar erhielt der Adel knapp 20 Jahre später seine gesellschaftlichen Stellungen und Vorrechte mit der Zuschlagung des Gebietes an Preußen zurück, die Burgen und Schlösser aber waren nur noch kostspieliges Privatvergnügen.

Die Adelssitze heute

Heute sind einige Burgen und Schlösser noch im Besitz ihrer Adelsfamilien und dienen als Stammsitz. Andere wurden verkauft und sind in Privatbesitz übergegangen, wieder andere wurden aufgegeben und sind mit der Zeit verfallen. Eines haben allen Burgen und Schlösser gemeinsam: Sie alle haben eine glorreiche Vergangenheit, sind Zeitzeugen über mehrere Jahrhunderte, Kulturerben einer ganzen Region und Teil eines historischen Phänomens, das es nur hier in der Kölner Bucht gibt.

Einige Burgen und Schlösser

Burg Hemmersbach, Kerpen
Die Wasserburg aus dem Jahr 980 war bis 1961 Heimat des Formel-1-Rennfahrers Wolfgang Graf Berghe von Trips, in der angrenzende Villa Trips befindet sich heute die Gräflich Berghe von Trips’sche Sportstiftung zu Burg Hemmersbach.

Burg Kendenich, Hürth
Die Burg wird bereits im Jahr 941 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Das heutige Herrenhaus des Wasserschloss stammt aus den Jahren 1660 bis 1664.

Godesburg, Bonn
Eine erste Fluchtburg wurde vermutlich im Jahr 722 auf dem Hügel über dem Rhein errichtet. Von der Spitze des Bergfrieds der heutigen Burgruine auf 122 Metern über dem Meeresspiegel bietet sich ein einzigartiger Blick auf das Siebengebirge und über das Rheintal.

Kurfürstliches Schloss, Bonn
Der erste Bau stammt aus den Jahren 1567 bis 1577. Heute hat die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität ihren Sitz im Schloss.

Rosenburg, Bonn
Die im neoromanischen Stil erbaute Burg aus dem jahr 1831 war von 1950 bis 1973 Sitz des Bundesjustizministeriums.

Schloss Arff, Köln
Die Anlage im Kölner Norden existiert bereits seit 1366, das Schloss selbst wurde in den Jahren 1750 bis 1755 errichtet.

Schloss Augustusburg und Schloss Falkenlust, Brühl
Der Kölner Erzbischof Clemens August I. von Bayern ließ 1725 das Schloss Augustusburg bauen, das kleinere Jagdschloss Falkenlust wurde 1729 errichtet. Die beiden Schlösser gelten als bedeutendste Bauwerke des Barocks und Rokokos in Deutschland und gehören seit 1984 zu den UNESCO-Welterbestätten.

Schloss Bedburg, Bedburg
Bereits im 12. Jahrhundert stand an der Stelle des Schlosses eine Burg, die 1278 zerstört wurde. Der Wandel von der Burg zum Schloss kam durch den Neubau im 16. Jahrhundert im Renaissancestil.

Schloss Bensberg, Bergisch Gladbach
Bis 1711 wurde das prächtige Jagdschloss im Barockstil nach dem Vorbild des Schlosses Schönbrunn an den Hängen des Bergisches Landes mit einer prächtigen Aussicht über die Kölner Bucht errichtet. Seit 1997 residiert hier das 5 Sterne Grandhotel Schloss Bensberg.

Schloss Drachenburg, Königswinter
Das relativ kleine Anwesen wurde in nur zwei Jahren bis 1884 auf dem Drachenfels gebaut.

Schloss Gymnich, Erftstadt
Die Wasserburg aus dem Jahr 1345 war bis 1990 das Gästehaus der Bundesregierung, bevor es 1998 von der Kelly Family gekauft wurde. Heute ist es ein Hotel mit Restaurant, Cafe und Biergarten.

Schloss Hambach, Hambach
Das heutige Schloss entstand aus der Burg des Grafen Walram von Jülich aus dem Jahr 1280.

Schloss Lerbach, Bergisch Gladbach
Die erste Wasserburg wird 1384 erstmals urkundlich erwähnt und 1900 abgerissen, um Platz für das heutige Schloss im englischen Landhausstil zu schaffen. Bekannt ist es vor allem als Gourmettempel von Dieter Müller, seit 2010 ist es das Gourmetrestaurant Schloss Lerbach unter der Leitung des Spitzenkochs Nils Henkel.

Schloss Nörvenich, Nörvenich
Die um 1400 erbaute wasserumwehrte Gymnicher Burg wurde durch verschiedene An- und Umbauten zum Schloss ausgebaut.

Schloss Paffendorf, Bergheim
Das Schloss aus den Jahren 1531 bis 1546 ist seit 1976 das Informations- und Veranstaltungszentrum für die nahegelegenden Braunkohletagebauen.

Poppelsdorfer Schloss, Bonn
Das Barockschloss wurde als Nachfolgebau der 1583 zerstörten gotischen Wasserburg in den Jahren 1715 bis 1740 durch den Kölner Kurfürst Joseph Clemens errichtet. Heute sind im Schloss verschiedene naturwissenschaftliche Einrichtungen untergebracht, in der Sommersaison finden jeden Samstag im Innenhof die Poppelsdorfer Schlosskonzerte der Klassischen Philharmonie Bonn statt.

Schloss Reuschenberg, Neuss
Die erste Anlage wurde vermutlich als befestigter Hof in den Jahren zwischen 1284 und 1288 angelegt, 1847 erfolgten die Umbauten zum Haus Selikum.

Schloss Türnich, Kerpen
Die ersten Bauten des barocken Schlosses stammen aus dem Jahr 898, das spätbarocke Herrenhaus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.
 
Schlösser und Burgen in der Region
Stadt Bonn
Kreis Düren
Kreis Euskirchen
Rhein-Sieg-Kreis
Rhein-Erft-Kreis
Rheinkreis Neuss
8
59
55
29
62
22
  Im Umland:
Stadt Aachen
Kreis Aachen
Kreis Ahrweiler
Kreis Heinsberg

9
24
29
28

Impressionen...

Burg Pfaffendorf


Schloss Augustusburg in Brühl
 
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