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Beethoven und Bonn

Er ist wohl der berühmteste Sohn der Region, war ein musikalisches Genie und lebte ganz für die Musik. Goethe beschrieb ihn als „ungebändigten Künstler”, seine Neunte Sinfonie gilt als eines der wichtigsten und einflussreichsten Werke der Musikgeschichte, als Höhepunkt des gesamten sinfonischen Schaffens.

Ludwig van Beethoven wird als Sohn des kurfürstlichen Tenoristen flämischer Herkunft Johann van Beethoven und der Rheinländerin Maria Magdalena Keverich in einer kleinen Dachkammer des Hauses Bonngasse 20 in Bonn vermutlich am 16. Dezember 1770 geboren. Der genaue Geburtstag ist nicht bekannt, dokumentiert ist lediglich, dass am 17. Dezember 1770 in der Remigiuskirche in Bonn ein „Ludovicus van Beethoven” in das Taufbuch eingetragen wird. Ob Beethovenhaus, Beethovenhalle, Beethovendenkmal, Beethoven-Orchester oder Beethovenfest - der große deutsche Komponist steht in Bonn im Mittelpunkt.

Das Beethovendenkmal

Zu Beginn des ersten Beethovenfestes, das die Stadt Bonn im August 1845 zum 75. Geburtstag von Ludwig van Beethoven veranstaltete, wurde auf dem Münsterplatz eine Bronzestandbild des Dresdner Bildhauers Ernst Hähnel, enthüllt: Das Beethovendenkmal. Die Figur zeigt Beethoven als „inspirierten Tonkünstler, der mit nach oben gewandtem Blick einen schöpferischen Gedanken empfängt, um ihn mit seinem Griffel im Notenbuch festzuhalten”.

Der Beethoven-Rundgang

Das gibt es nur in Bonn: Ein Rundgang durch die Stadt auf den Spuren von Ludwig van Beethoven. Auf 13 Stationen können die wichtigsten Lebensabschnitte seiner Kindheit und Jugend sowie die heutigen Erinnerungen und Andenken in Bonn nachverfolgt werden. Der Weg führt unter anderem zum Beethovenhaus in der Bonngasse 20, zur Pfarrkirche St. Remigius in der Brüdergasse, zum Haus Rheingasse 24, zum Beethovendenkmal auf dem Münsterplatz, der Beethovenhalle mit der Beethon-Büste sowie zum Grab der Mutter Beethovens auf dem Alten Friedhof.

Die Beethovenhalle

Ebenfalls zum ersten Beethovenfest wurde die erste Beethovenhalle 1845 eröffnet. Allerdings musste der von Franz Liszt veranlasste Holzbau wegen zu großer Feuergefahr schon bald geschlossen und wieder abgerissen werden. Im zweiten Anlauf konnte die Beethovenhalle dann im Jahr 1870 rechtzeitig zum 100. Geburtstag im Rahmen des zweiten Beethovenfestes eröffnet werden. Die heutige Beethovenhalle ist der dritte Bau.

Das Beethovenfest

Das erste Beethovenfest war 1845 noch ein dreitägiges Musikfest auf dem Münsterplatz. Im Lauf der Zeit hat es sich mit jährlich über fünfzig Konzerten internationaler Spitzenorchester, bedeutender Ensembles, prominenter Solisten und vielversprechender Nachwuchskünstler sowie einer fast vierwöchigen Veranstaltungsdauer im September und Oktober zu einem musikalischen Großereignis von Weltruf entwickelt.

Das Beethoven-Orchester

Das Beethoven Orchester gehört zur Spitze der deutschen Kulturorchester. Es nimmt wichtige künstlerische Funktionen bei den Beethovenfesten wahr und leistet mit den Orchesterkonzerten in der Beethovenhalle sowie in der Oper Bonn einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Leben der Stadt und der Region.

Das Beethoven-Haus

Last but not least gehört das Geburtshaus Beethovens in der Bonngasse 18-26 heute zu den Wahrzeichen Bonns. Hier befinden sich ein Museum mit der größten privaten Beethoven-Sammlung der Welt, das Beethovenarchiv sowie ein Kammermusiksaal mit einer hervorragenden Akustik. Ein authentischer Einblick in Leben und Werk des Komponisten wird Anhand von Portraits, Originalhandschriften, Instrumenten und Gegenständen des täglichen Gebrauchs vermittelt. Die zentrale Dokumentationsstelle für Beethovens Leben und sein Werk ist das Beethoven-Archiv, das zum 100. Todestag Beethovens im März 1927 als wissenschaftliches Forschungsinstitut gegründet wurde.

Ein Leben für die Musik
Ludwig hat keine einfache Kindheit, sein Vater ist Alkoholiker, seine Mutter sehr oft krank und von seinen sechs Geschwistern überleben nur zwei. Sein Vater will aus ihm unbedingt ein Wunderkind wie Mozart machen und gibt ihm Klavierunterricht. Schon mit vier Jahren muss der kleine Ludwig, auf einem Stuhl stehend, Klavier spielen, mit elf Jahren auf Drängen des Vaters die Schule verlassen. Schließlich überlässt sein Vater auf drängen Dritter Ludwigs weitere musikalische Ausbildung Christian Gottlob Neefe und Franz Anton Ries. Mit seinem zehnten Lebensjahr wird Ludwig Schüler Neefes, mit 12 Jahren ist er bereits sein Vertreter, mit 14 Jahren Mitglied der Hofkapelle sowie kurfürstlicher Hilfsorganist mit einem Monatsgehalt von 150 Gulden.

Ebenfalls im Alter von 12 Jahren beginnt Beethoven zu komponieren. Mit dem Grafen Waldstein sowie der Familie Breuning weiß der junge Beethoven bereits einflussreiche Gönner und Freunde hinter sich. Mit 17 Jahren soll Ludwig Schüler bei Wolfgang Amadeus Mozart in Wien werden, doch schon nach wenigen Wochen erfährt er, dass seine Mutter im Sterben liegt und kehrt zurück nach Bonn. Der Tod seiner Mutter trifft Ludwig sehr. Fünf Jahre später lädt ihn der österreichische Komponist Joseph Haydn zu einer zweiten Studienreise nach Wien ein. Ludwig nimmt das Angebot an und verlässt 1792 Bonn, um Schüler Haydns zu werden. Nach Bonn wird er nicht mehr zurückkehren.

Das Schaffen Ludwig van Beethovens gilt vor allem den instrumentalen Gattungen Sinfonie, Streichquartett und Solosonate. Seine Werke sind zumeist wie bei seinen Vorbildern Mozart und Haydn drei- oder viersätzig zyklisch angelegt. Seine logische Geschlossenheit, vor allem aber seine eigenwillige Art der rhythmischen und dynamischen Gestaltung sind in der Musik bis dahin fremd und verleihen Beethovens Werken die ausgeprägte unverwechselbare Charakteristik. Ungewöhnlich ist auch Beethovens Konzentration auf seine Werke. Während Haydn sage und schreibe 100 Sinfonien und Mozart auch noch 50 komponierte, schreibt Beethoven nur neun, eine zehnte wird er nicht vollenden. Seine Werke werden oftmals als kühn, neuartig und sogar bizarr empfunden. Erst mit seinen beiden Großwerken, der 9. Sinfonie und der Missa solemnis, löst sich Beethoven schließlich von allen Gattungstraditionen.

Ludwig van Beethoven macht sich in Wien schnell einen Namen, 1795 gibt er seine ersten Konzerte. Die Adelsbekanntschaften aus Bonn erleichtern ihn jetzt den Zugang zum Wiener Adel. Zu seinen Förderern gehören die Fürsten Lichnowsky, Esterházy und Lobkowitz wie auch Graf Rasumowsky oder Erzherzog Rudolph. Dank ihrer Unterstützung und der Einnahmen aus den Kompositionen konnte Beethoven das Leben eines unabhängigen Künstlers führen. Durch seine Konzertreisen erhält er 1808 das Angebot Königs Jérôme, als Kapellmeister an den Kasseler Hof zu kommen. Um den damals bereits berühmten Beethoven in Wien zu halten, sichern ihm die Fürsten Lichnowski und Kinski sowie der Erzherzog Rudolph ein Jahresgehalt von 4.000 Gulden zu und Beethoven bleibt in Wien.

1796 machen sich erste Anzeichen eines ständig schlechter werdendens Gehörs bemerkbar. Am 6. Oktober 1802 schreibt Beethoven sein Heiligenstädter Testament, in dem er seine seelische Not offenbart. 1810 verschlimmert sich sein Gehörleiden dramatisch, 1819 ertaubt er schließlich vollständig. Mit zunehmender Taubheit wird Ludwig immer ungeselliger und mißtrauischer. Zeit seines Lebens bleibt Beethoven Junggeselle. Mit 30 Jahren verliebt er sich zwar in die Gräfin Giulietta Guicciardi, aber Standesunterschiede machen eine Heirat unmöglich. Drei Jahre später war es die Tochter eines seiner Ärzte Therese Malfatti, in die er sich verliebt, doch er ist unentschlossen und kann sich nicht zu einem Heiratsantrag durchringen. Den berühmten Brief „An die unsterbliche Geliebte” schreibt er 1812. Doch wer die Empfängerin war, ist bis heute unbekannt.

Beethoven verdiente sehr gut und lebte doch in einem verfallenen Haus in Heiligenstadt bei Wien. Trotz seiner Taubheit kann er noch komponieren, das Streichquartett Opus 130 ist das letzte Werk, das er 1826 vollendet. Er stirbt am 26. März 1827 an einem Leberleiden. Am Tag seiner Beerdigung bleiben die Schulen in Wien geschlossen und 20.000 Menschen, unter ihnen auch Franz Schubert, geben ihm ein letztes Geleit. In seinem Nachlass werden viele Kompositionsentwürfe gefunden, darunter der zu einer zehnten Symphonie in c-moll. 1888 werden seine sterblichen Überreste auf den Wiener Zentralfriedhof überführt.
 
Impressionen...
Das Beethovenhaus in der Bonngasse
Das Beethovendenkmal auf dem Münsterplatz
Beethovens Grab auf dem Zentralfriedhof in Wien

Memory of the World
Die UNESCO hat 2001 die Originalpartitur der 9. Sinfonie Ludwig van Beethovens in das Register „Memory of the World” aufgenommen. Die Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz hat die eigenhändig geschriebene Partitur dieses einzigartigen Werks der Musikgeschichte Seite für Seite digitalisiert. [ mehr bei der Staatsbibliothek Berlin ]
 
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